«to clean to clean!»/«putzen putzen!» Video/Performance 2009

Performance mit Jonas Burkhalter

Drawing Dictation/Zeichendiktat «Phantasma» 2008 Performance

bitte ein wenig Geduld bis die Verbindung hergestellt ist!

Phantasma, Zeichnung Nr. V, „Orte der Konvergenz & Orte der Divergenz” ist ein Zeichendiktat in 23 Schritten/Kapiteln mit der Dauer von ca. 4 Stunden. Es wurde im Juli 2008 in der Turbine Giswil drei mal mit je 2 ZeichnerInnen durchgefĂĽhrt:

Zeichner Phantasma Part I: 03.07.2008, Dauer 4 Stunden, Ivo Schüssler (Diplomand K & V HSLU), Jan Jézek (Diplomand K & V HSLU)

Zeichner Phantasma Part II: 04.07.2008, Dauer 3 ½ Stunden, Ernst Liniger (Wirtschaftsinformatiker und ehem. Spitzenhandballer), Hans Noser (stud. Elektroingenieur, selbstständiger Unternehmer und Innovator)

Zeichner Phantasma Part III: 12.07.2008, Dauer 4 Stunden, Claudia KĂĽbler (Diplomandin Illustration, HSLU)
Timo MĂĽller (freischaffender KĂĽnstler)

Laden sie sich das Dossier als PDF herunter!

dossier_phantasma_2008.pdf


Results of the Drawing Dictation «Phantasma»/Die zeichnerischen Resultate von Phantasma im direkten Vergleich

Von links nach rechts und umgekehrt chronologisch geordnet

Vorstudien fĂĽr das Zeichendiktat Nr. V

Vorstudien zum schriftlichen Diktat Nr.V fĂĽr die Interaktion Phantasma 2008,
umgekehrt chronologisch geordnet!

The large Drawing/Grosse Zeichnung 2006

mit Jonas Burkhalter

Situationsbilder des Raumes und Artefakte sind im Ordner “Studio” zu finden

Audio Drawing Dactation/Audiozeichendiktat 2008

FrĂĽhes Zeichendiktat in zweiter Ăśbersetzung. Frei diktiert,”phonetisch” transkribiert und wieder abgelesen und diktiert. Kleine Geschmacksprobe.

Idee eines Steines haben 2003

Schriften

„Phantasma” Diplomarbeit 2008

Ausschnitt aus dem Zeichendiktat No.V

(Kapitel 12 & 18 des Zeichendiktates No.V)

Schritt 12: Die BĂĽstenhebe oder die nippellosen Echo- BrĂĽste

6, 7 cm (4 cm) (2, 4 cm) (1, 6 cm) auf der Waagrechten rechts von Punkt 14 markieren wir Hilfskreuz H23.

13 cm (7, 8 cm) (4, 7 cm) (3, 1 cm) senkrecht unter Hilfskreuz H23 markieren wir Punkt s.

21 cm (12, 5 cm) (7, 5 cm) (5 cm) auf der Waagrechten rechts von Punkt p markieren wir Hilfskreuz H24.

9, 3 cm (5, 5 cm) (3, 3 cm) (2, 2 cm) senkrecht unter Hilfskreuz H24 markieren wir Punkt t.

Von Punkt r aus wandern wir an der rechten Bogenlinie der rechten Arkadenform 5, 5 cm
(3,3 cm) (2 cm) (1, 3 cm) empor und markieren Hilfskreuz H25.

Von Hilfskreuz H21 wandern wir der linken Bogenlinie der rechten Arkadenform 5, 5 cm (3,3 cm) (2 cm) (1, 3 cm) empor und markieren Hilfskreuz H26.

Von Punkt q wandern wir der rechten Bogenlinie der linken Arkadenform 5 cm (3 cm) (1, 8 cm) (1, 2 cm) empor und markieren Hilfskreuz H27.

Von Hilfskreuz H22 wandern wir der linken Bogenlinie der linken Arkadenform 7, 6 cm (4, 5 cm) (2, 7 cm) (1, 8 cm) empor und markieren Hilfskreuz H28.

Ziehen wir nun eine sanfte BĂĽstenhebe:

Wir nehmen den dünnen, gepressten Kohlekegel zur Hand und halten ihn in schulmeisterlicher  Manier, um mit seiner Kante und flachen Fläche der Spitze eine kontrollierte Linie zu ziehen.

Wir setzen bei Hilfskreuz H2 an.
Die Markierung befindet sich: nur zur Erinnerung!
Links von Punkt 12.

Dünn und heftig schwarz ziehen wir mit der Kante der Kohlekegelspitze, eine gleichmässige Wölbung durch Punkt 12,

-Währenddessen wir Punkt 12 durchstreichen erhöhen wir den Druck mit dem Zeicheninstrument und kippen schliesslich „fahrend” fast gänzlich
in die „flache”- Fläche der Zeichnenkegelspitze —

so durchstĂĽrzen wir Hilfskreuz H28!

(Ich wiederhole)

Von Hilfskreuz H28 ĂĽber Punkt m zu Hilfskreuz H27 wollen wir folgende KrĂĽmmung ziehen:

Von Hilfskreuz H28 aus dellen wir einen nach unten, (nach Punkt 18 peilenden Strich),
ein etwas wulstig anschwellender Bogen, und durchlaufen Punkt m.

Bevor die Bauchung des Bogens am Zenit -in diesem Fall in Punkt m angelangt- drücken wir den Stift etwas grob auf die Fläche.

In einem flĂĽssigen Bogen,
-im Guss-
durcheilen wir Punkt m.

Nun wird unser Strich scharf und ruhig…

Mit einer klaren und dünnen Linie steigen wir von Punkt m aus in einen harten- niedrigen-  geschwungenen Bogen und durchlaufen Hilfskreuz H27 sinkend.

Wir wölben uns in einem ganz niedrigen Bogen von Hilfskreuz H27 zu Hilfskreuz H26.

Ich wiederhole

Von Hilfskreuz H26 ĂĽber Punkt n zu Hilfskreuz H25 wollen wir ebenfalls eine KrĂĽmmung ziehen:

Wiefolgt:

Dieser Bogen sieht, wenn wir ihn gezogen haben, einem grossen nach unten blickenden, weit aufgesperrten Auge ähnlich.
Einem entsetzlich blickenden Auge, wie ich finde, weil der Punkt von Punkt n eine winzige Pupille darstellen wĂĽrde.

Nun beschreibe ich diese Linie:

Bei Hilfskreuz H26 beginnend, fassen wir mit unserem Zeichenkegel
ordentlich nach der Fläche und fliessen
-etwas ausfransend-  und kontinuierlich sanfter werdend,
-in einer sanft- runden Wölbung
in Punkt n, als wĂĽrden wir auch gleich (unbekĂĽmmert)
so weiterfliessen wollen.

(Ich wiederhole!)

Nach der Passage von Punkt n geben wir heftig Druck, und laufen (dann) fein und entspannt in Hilfskreuz H25 ein. Von Hilfskreuz H25 aus soll kurz eine schöne- schwarze, ca. 4, 2 cm (2, 5 cm) (1, 5 cm) (1 cm) lang- andauernde- Linienkrümmung nach oben hin (Richtung Punkt 14 peilend) entstehen.

Dann, ja dann…

beginnen wir zu fallen
werden im Strich sanfter  und betulicher…
- fallen sanft – und rund (und und und)
und fliessen durch Punkt s (sssss) indem wir etwas (H) heftiger werden!

- Wir beginnen, (BBBEGINNEN) leicht nach unten zu BAUCHEN,
und gleiten (tten) in eine Sänfte hinein,
bauchen weiter, und rücken in Punkt t ein und enden in einem sämigen
Stollen- Strich.

Ich wiederhole!

Schritt 18: Das ungefähre Magengefühl

7, 2 cm (4, 3 cm) (2, 6 cm) (1, 7 cm) senkrecht unter Punkt o, markieren wir Punkt Grossbuchstabe E.

13, 5 cm (8 cm) (4, 8 cm) (3, 2 cm) waagrecht rechts von Punkt y markieren wir einen Hilfspunkt.
1, 7 cm (1 cm) (6 mm) (4 mm) senkrecht unter diesem Hilfspunkt markieren wir Hilfskreuz H45.

11, 4 cm (6, 8 cm) (4 cm) (2, 7 cm) links auf der waagrechten von Punkt Grossbuchstabe A, markieren wir Hilfskreuz H46.

9, 3 cm (5, 5 cm) (3, 3 cm) (2, 2 cm) ĂĽber Punkt z, markieren wir Punkt Grossbuchstabe F.

21 cm (12, 5 cm) (7, 5 cm) (5 cm) senkrecht unter Punkt 18 markieren wir Punkt Grossbuchstabe G.

Mit Hilfe neuer Verbindungen wollen wir nun einen -gewissen-
flauen Magen fassen lernen.

DafĂĽr gebrauchen wir zwar den breiten, gepressten Kohlekegel
bringen ihn aber äusserst zart mit viel, viel Feingefühl zum Einsatz! Da es sich ja um einen flauen Magen handelt.

Von Hilfskreuz H45 zu Punkt f ziehen wir einen krakelig- seichten nach links ausbeulenden Bogen, welcher etwas Druckreicher in Punkt z ausfranst.
Als würden wir die unsichtbare Fährte wittern! -
-bringen wir von Punkt z aus- zart, ja ganz, ganz zart eine krakelige nach links gebeulte Wölbung in Erscheinung welche NACH und NACH dichter und weicher gezogen,
in einen nach rechts gerichteten Bogen saust und ausfranst,
ja in die Farbe der Fläche einfach so ĂĽbergeht…

Ich wiederhole!

Von Hilfskreuz H46 fliehen wir in einen nach rechts beulenden Bogen und geben dabei etwas Druck.
Zwar flau geworden, wabbern wir schliesslich -doch ein wenig rezent- durch Hilfskreuz H39 und durcheilen zaghaft Punkt Grossbuchstabe B,
und beginnen einen nach rechts unten gebeulten Bogen, krĂĽmmen uns krakelig,
gleichmässig und fast unsichtbar werdend.
Wie man sich die Form einer Niere, den unteren Teil einer Niere plakativ vorstellt durchschweifen wir mit erhobener Linie und etwas deftig Punkt Grossbuchstabe G.
Sanft klingen wir aus, ganz sanft!
Zuckeln nochmals, etwas verdickt, der anderen Linie gedenkend-
und fransen nach ca. 12, 6 cm (7, 5 cm) (4, 5 cm) (3 cm) in einer sanften S Form zart aus.

Ich wiederhole!

An dieser rechten Linie bringen wir auf der Innenseite Richtung Organinneres eine breite und stetig grösser werdende Schraffur an,
welche mäkelig gezogen ist.
SchwauĂĽp und SchwauĂĽp und SchwauĂĽp… (So…!)
Und nicht Zack, Zack, Zack…
Beschreibend die altluftige Höhle eines flauen Magens.
-

Ich wiederhole!

Wir drehen unsere Fläche 90° im Uhrzeigersinn.
Wir lösen die hinteren 4 Schraubzwingen der Staffelei und legen sie auf den Boden.
Wir drehen die Fläche um 90°. Nehmen die Schraubzwingen zur Hand und befestigen sie erneut, indem wir die Schnäbel der Schraubzwingen in die ausgefrästen Öffnungen des Rahmens hinten hinein schieben, und die Schrauben an das Holz der Staffelei drehen.
Wir ziehen gerade so viel an, wie für die Stabilität notwendig, nicht zu stark bitte, sonst bricht uns das Holz!

Zur Ausstellung: Phantasma 2008, in Giswil:

Bei allen sechs Akteuren wird Dasselbe Diktat verwendet, welches ich in ein Funkmikrofon spreche und mit einem Verstärker, verstärke.
Die von den anderen Akteuren gefertigten Arbeiten werden verdeckt oder mit dem RĂĽcken zur Wand gestellt.
Kein Akteur soll wissen wie ein Endresultat aussehen könnte. Sie werden in ihrem Wirken mit zwei HD-Kameras aufgenommen.
Das Material soll später ausgewertet, geschnitten und reflektiert werden.
Am Ende aller 3 Interaktionen werden die Resultate der insgesamt 6 Akteure präsentiert.
Die Ausstellungssituation ist durchzogen von einer Prozesshaften Arbeitsweise. So wird der eine Betrachter gerade ein Zeichendiktat miterleben, ein Anderer lediglich eine Zwischenstation und wieder ein Anderer die 6 Resultate.
Auf der Pappelholzvorrichtung sind mein 30 seitiges Diktat, Diktatstudien und Zeichenproben zu sehen.

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„Idee eines Steines haben” 2003
(Auszug aus meiner schriftlichen Arbeit 2008 über „Idee eines Steines haben 2005 “)

Während zwei Wochen beschäftigte ich mich ausschliesslich mit einem Stein. Ich betrachtete ihn und erkannte, dass er eine Kerbe trug. Also schaffte ich ein Glas herbei und versenkte es in die Kerbe. Ich verleimte den Stein auf ein weiteres Glas. Und so umzingelte ich nach und nach den Stein mit Gläsern, aber nicht ohne sie zuerst mit wasserfestem Filzstift oder chinesischer Tusche zu bezeichnen. Ich versuchte festzuhalten, was ich vor mir sah. Ich sah wie meine Hand sich im Glas spiegelte, die Kanten des gegenĂĽber liegenden Glases ebenso, sah die Furchen und Farben des Steines. Schliesslich sah ich die Linien und Schriften auf den Gläsern angebracht, welche mir nach und nach die Sicht auf den Stein verwehrten. Es schien geradezu, dass die Beobachtungen, Strategien, wie diese fest zu halten wären, mir die Sicht auf das Eigentliche nahmen, den Stein, Gegenstand meiner Betrachtung. Er verschwand, und so gedieh diese Arbeit nach und nach. Immer wieder versuchte ich, meine Methoden zu durchbrechen, damit ich mich nicht in der Beliebigkeit verlor.Mal achtete ich auf die Umrisse, mal auf die Flächen, bezeichnete mit Wörtern was sich reflektierte, was die Linien bedeuteten, zeichnete Koordinaten ein, indem ich Punkte setzte. Ich suchte nach einer gĂĽltigen Wiedergabe dessen was ich sah. …….

Zusätzlich zum Objekt zeichnete ich ein Raster auf eine ungefähr quadratische Glasplatte. Das Raster sollte mir dabei helfen, das Vorhandene auf eine grössere Fläche zu ĂĽbersetzen. Ich suchte mir einen groben Stein draussen in den bebuschten Flecken, welche von Ratten und Hundekot wimmeln. Die Platte hielt ich bewusst frei. Brachte sie nirgends an. So zeichnete ich aus verschiedenen Perspektiven fĂĽnfzig Umrisse des Steines, was ich damals so beschrieb:„Insgesamt 50 Umrisse mittlerweile ergeben verdichtete Linien an den Orten wo ich vermuten muss, dass eine Wichtigkeit entstanden ist, die ebenso sehr beliebig sein kann wie eine abbildende Zeichnung nach einem Stein. …..

Die einzelne Glasplatte überforderte mich total. Es war unmöglich, mit einem Rasterverfahren jede Linie der 50 Umrisse auf grösserem Format wiederzugeben, so umrandete ich ein beliebiges Feld durch die verschiedenen Umrisse, einer Steinform nachempfunden. Ich nannte diese Form „Hinkelstein”. Die nicht wiederzugebenden Linien deckte ich von hinten mit schwarzer Tusche ab und brachte ein Blatt Papier an. Es war mir jedoch wichtig, dass der neue Umriss der 50 Umrisse übertragen wurde, was dann auch geschah. Ich machte das alles von Hand weil ich sehen wollte, wie der Strich sich nach dieser bestimmten Methode der Übersetzung, welche auf die Dürerscheibe zurückgeht, auf der Fläche verhielt. Ich dachte gar nicht daran, wie ich es heute tue, den Hellraumprojektor direkt als Übersetzungsapparat einzusetzen. Allerdings bildete diese Arbeitsweise einen wichtigen Inhalt, welcher sich drei Jahre später in einer anderen Arbeit weiter entwickeln sollte. Es war ein erstes „Diktat”, geschah es vorerst auch nur in einem Monolog.

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„Grosse Zeichnung” 2006
(Ausschnitt aus meiner schriftlichen Arbeit 2008 über die „Grosse Zeichnung” 2006)

Ausgangspunkt & Vorstellung
Von Interesse war es, eine Zeichnung zu diktieren, nicht selbst Hand anzulegen, beschreiben zu können was man möchte. Gerade die sich im Resultat niederschlagende Fehlerhaftigkeit und Unschlüssigkeit durch die Übersetzung waren mir wichtig. Ich wollte auf
einen neuen Duktus hinaus, indem sich der Zeichnende nicht auf das Ergebnis der Zeichnung, sondern sein Verständnis konzentrierte.
Wir sehen eine Gestalt, mich darstellend, welche ein mit Tusche und Edding- Marker bezeichnetes Glas mit einem Handschuh (zum Schutze der Hand vor den scharfen Kanten) in die Luft hält, eine andere Gestalt, die Leiter hoch und herunter kletternd, darstellend Jonas Burkhalter welche einen verlängerten Pinsel und Tusche mit sich führt und auf der Leiter vor den auf die hohe Mauer gespannten Papierbahnen steht. Ich halte das Glas in die Luft und richte es in Richtung Papier, sodass es sich meiner Vorstellung entsprechend auf die Projektionsfläche richtet. Die durch die Zeichnung verdeckte Transparenz des Glases, zusammen mit der Umgebung der offenen Durchsichtigkeit des Glases, bilden meine Vorstellung. Diese gilt es zu übertragen. Ich halte das Glas vor meine Augen und sehe hindurch, übersetze die Zeichen in Wörter und sende sie an meinen Kollegen. Dieser übersetzt die empfangene Sprache in eine Vorstellung, welche er wiederum in eine Vorstellung von Zeichen verwandelt und an der Wand vergrössert projiziert, ähnlich den Zeichen auf dem Glas. Er rück- überträgt die Zeichnung. Diese Übersetzungsart hat ihre Tücken, jede Handlung feierte die Geburt ihrer selbst, denn wir waren uns unserer Posten nicht gewohnt. Währenddessen man sozusagen Druckwalze war, befand man sich ebenso unter ihr und wurde hindurchgezogen. Wir konnten nicht voraussehen, wohin das führte! Gedreht wurde das ganze durch den Dialog, er bildete die Energie.
Als es galt eine Methode für die Tätigkeit zu wählen (oder zu entwickeln), um für uns beide eine Grundlage verständlicher Codes für
die Übersetzung zu sichern, wählten wir unbewusst die Sprache, was das Diktieren auf schweizerdeutsch zur Folge hatte.

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Zeichendiktat (Grosse Zeichnung)

Ich habe eine Form zu beschreiben, die einem Dreieck gleicht. Sie bildet keine geometrische Form. Es sind Linien, die den Anschein machen, es handle sich insgesamt um ein Dreieck. Doch dieses Dreieck ist nur ein Idiom.Die Linien haben sich in eine Sprache umgesetzt. Ich kenne das Dreieck und weiss, dass Jonas auch ein Dreieck kennt, also sage ich ihm er solle im Dreieck hochfahren. „Im Dreieck hochfahren?” fragt er mich. „Was bedeutet im Dreieck hochfahren?” fragt er mich erstaunt. Ich suche, beflissen meine Vorstellung zu übertragen, nach einer Äquivalenz der Worte für die Zeichen. Ich befinde mich durchaus noch in einer verständlichen Sprache. Ich meine „Rechts” für rechts und „Links” für links. Durch das Dolmetschen aber, gerate ich oft in sich wiederholende Phrasen, ungestalte Laute. Sie bilden ebenso eine Wirrung wie die rätselhaften Formulierungen, einzelner an und für sich verständlicher Worte. Vielleicht, so denke ich mir, würden Laute den Linien wohl eher entsprechen, ähnlich einem seismographischem Gerät, welches die Eruptionen, der Gesteinsschichten aufzeichnet, müsste Jonas dann funktionieren.
Ich wäre die Eruption und er das Gerät mit der Nadel. Doch das würde Jonas nicht verstehen wenn ich ihm sagte, mache so eine Linie die „WUUUUUUUaaaaaaaaaM” aussieht. Die so „UUUooooaaaaaaaa”daherkommt. Schliesslich müssten alle beschreibenden Begriffe zugunsten der Laute aufgegeben werden, so, dass ein Sortiment an Stöhnen und Grummeln entstünde.
Ich habe mit Hilfe eines „Marantz”-Aufnahmegerätes eine solche Zeichnung diktiert und auch ein schriftliches Translat davon gemacht, es war sehr aufschlussreich. Man fängt quasi ohne darüber nachzudenken mit den Wortlauten an. Versuchen Sie mal ein „zackiges Böglein hingeworfen wie ein Spritzer” zu beschreiben? Ich denke, es würde sich lohnen, hier einen Blick in ein ausgerissenes Stück, ein Teil, aus dem von mir übersetzten Diktat der „Grossen Zeichnung” zu werfen. Sollten Sie sich das Video mittlerweile angesehen haben, brauchen Sie es natürlich nicht unbedingt zu tun. Aufschlussreich werden vor allem die Stellen sein, wo wir uns missverstehen. Was zu einer eigenwilligen Komik führt!

Beginn der Zeichnung Teil 1

Eines der zwei vorhandenen Bändchen mit jeweils knapp 60 Minuten Inhalt. Gesamtdauer der Zeichnung, ca. 5- 6 Stunden. Das erste Bändchen ist das einzige für Dialoge brauchbare.schwarz: Michael Noser, rot: Jonas Burkhalter

So stopp! Punkt setze! Ufe! Ufe!
Was heisst ufe? Isch „grad” Ue?
Grad ue, ufe, rächts! Rächts! Chli ufe! Stopp! Chli wider abe, wider
chli ue. Stopp! Abe chli, abe, abe schräg, nach rächts abe…..und jetzt
abe fahre la! Stopp! Stopp! Stopp! Meh richtig Rächts!
Ue?
Stopp! Abe fahre, abe fahre la!
Was heisst abe fahre la?
Schön grad abe, eifach abe, aber liecht siitwärts. Nei! Nomal zrugg!
oge
Döte wo’ d agsetzt häsch wo’s richtig abe gaht, eifach ganz liechts G’fäll.
Da?
Nei, nnei, nöd, nöd, d’ öt obe im Egge. Ganz liechts G’fäll gäg abe.
So?
Nei, nei-nei, jetzt eifacht e chli, chli, chli sänkrächter abe!
Als wie vorher abe?
Als vorher bisch…
Als serscht mal?
Ja.
Sisch ziemlich steil und nöd es liächts G’fäll.
Also steil abe! Stopp! Heb din Chopf echli wägg!
Super…g’sehsch das isch dänn eh gschiider mit de lange Ding. Gs’ehschs so?…………………………
Ja….Jetzt, Jetzt gasch nach links…schschtopp! Und jetzt wider ufä. Steil ufä…Liächt nach rächts…sch…ufä!
…w…
Steiler!
Steiler?
Steiler heisst grad, oder.
Ja, ja so…
Stopp!…jetzt setzisch döte no wo’d inne g’fahre, gasch liächt zrugg mit
em Pinsel…Soo…und jetzt gasch, jetzt verbindsch mit em Afang. Nei mit
em Afang!
Mit dem ganz am Afang?
Ja……………….Oke.
Oh!
Hi,hi, hä, h-h-h-h, hi, hi hi. Ah -gh-…so und jetzt machsch es liächts Böggli, vo dem einte Punkt zum steile G’fäll.
Aha -h- hh-!
Dä genau!
Dä?
Es liächts Böggli gäg ue aber, und verbindsches mit em…nei…ja du
fahrsch jetzt eifach es liächts Böggli rächts…so, langsam, langsam,
langsam, langsam, nöd so steil…so…abe, abe, abe, abe, abe, abe,
jah…sinke…nid z’steil…sch…schtopp!…………so! -HH- …………jetzt gasch wider
döte…….zum erschte Punkt, aso, nöd zum erschte, doch gah zum erschte
Punkt, nöd zum erschte Punkt, nei, zu dem Punkt wo grad gsi bisch
vorher, genau, nei, zum andere, d’ rä, links, -H- nei, nei, de underi
links, dä genau.
Zum erschtä!? (schalkhaft)
Jä, ja und jetzt verbindsch, öh, jetzt gasch, sch, relativ, äh, im Drüegg uffe.
Im Drüegg ufä?
Ja. Nöd ganz, nöd ganz…
Was isch im DrĂĽegg ufe?
Gang eifach Ri…äh, uffä! Nöd grad aber äh Richtig links!
Rich, Richtig da ufä?
Ja genau aber nid ganz usä…machsch en Strich gäg uä…….
Obtimale Strich…….wiiter?
Schtopp, nu uä…….bsunders falsch! Ja jetzt setzisch….
ah-HH-hi….Schtopp, Schtopp, Schtopp, Schtopp! Jetzt bim erschte Punkt
wo’d agfange häsch! Gasch e chli id Mitti uf derä Linie wo’d jetzt, äh,
wo gäge inne gaht.
Gäg inne?
Gäg rächts? Genau so. Und jetzt gasch aber öppe zu… e bitzli zrugg, so,
schtopp! Jetzt gah…jetzö, jetz, ga, jetzt verbindsch döte abe zum
DrĂĽegg. Aso zum Punkt.
Zu däm?
Ja……..falsch, falsch, falsch…masch dö, n, liächte Boge, gäg di ander
Linie, genau, so, Schtopp…und jetzt bliber mer am beste grad uf dem
Punkt……………………….so! Nei! Jetzt gasch döt wo’d ufghört häsch mit dere
Linie…..nei! die ganz usse! Ganz rächts. Die Linie ganz rächts, ganz,
ganz rächts, genau die……..dere fahrsch jetzt eifach imene liächte
G’fäll, äh, rächts, …oder…abe! Meh abe! meh abe! meh abe! Jetzt, meh,
meh, meh, so…wiiter, jetzt öppe so bliibe und wiiter und wii, es
liächts Böggli gäg abe und wider ufä, ufä, ufä! Ufä! Ufä! Ufä! Und -w-
scht….opp. Und wider rächts bliibe…so…schtopp…HH…
Lings-z-splingt….H-H-H-H
H-Schtopp, schtopp, schtopp, schtopp, schtopp, schtopp, schtopp, jetzt wämmer das doch mal überprüefe…So!……gah wider zum Afang.
Dä Afang? Ich weiss nöd welli Afäng du amigs meinsch!
H-H…ja jetzt blibsch mal bi dem Punkt, aber jetzt gahsch, äh, zum zweite Punkt, gäg abe…
Dä da da?
Genau. Aso vo dem Punkt döt us, ziesch s’ liecht rächts abe!………
<

……..
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RĂĽckeroberung

Die Zeichnung hat mich am Ende als Resultat nicht in geringster Weise interessiert. Ich glaube, ich habe tausend interessantere Zeichnungen von Hand gemacht. In diesem Zusammenhang scheinen mir andere Dinge von viel grösserer Bedeutung.
Unwiderstehlich war ihre Präsenz. Ihre absolute Gültigkeit und räumliche Funktion, welche allein durch die Übertragungsform wirkte. Dazu gehörte nur schon die geschickte Auswahl des Ortes. Hier besteht auch der Bezug zum Fresko! Die Projektion wurde an Ort und Stelle vorgenommen. Alle Hindernisse und Erfordernisse, die gesamte Umgebung schlagen sich darin nieder und bilden im Eigentlichen ihren Ausdruck. Es handelt sich nicht um ein kleines Blatt Papier, welches man vor sich auf dem Schreibtisch hin und herschiebt und am Ende in einen Rahmen verpackt! Es handelt sich um architektonische Eingriffnahme, ohne das es der Substanz des Gebäudes an den Kragen ging. Mit schlichter Imagination ist die Umgebung veränderbar! Der Ort war durchdrungen von der Präsenz direkter Bewegung, sie übertrug sich in den Betrachter. Somit wurde auch ihr Abriss befohlen. Nicht dass man sie nicht schätzte, aber sie beeinflusste den Studenten. Sie nahm ihm vielleicht die Möglichkeit, dort selbst zu agieren.
Ich habe solange es ging nichts daran verändert. Am liebsten wäre es mir gewesen, die Leute selbst hätten sie niedergerissen! Hätten ihren Beitrag geleistet und den Ort zu ihren Gunsten rückerobert, ich habe nur darauf gewartet. Dieser Akt wäre bestimmt genauso bedeutend gewesen wie die Übertragungsarbeit. Die Rückeroberung des Platzes!

 

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